
2009 – ein Geburtstagsjahr für die Kinderrechte

Das vergangene Jahr stand unter dem besonderen Motto „20 Jahre Kinderrechte“. Gemeinsam mit dem Landesverband Sachsen und gleichzeitig mit zahlreichen Orts- und Kreisverbänden fanden zahlreiche Aktionen rund um dieses besondere Jahr statt.
Höhepunkt und auch das Projekt mit dem größten Arbeitsaufwand war die Kinderrechtewahl 2009. In ganz Sachsen wurden Kinder und Jugendliche zu den Kinderrechten befragt. Welche Rechte sind für sie besonders wichtig? Wo sehen sie am deutlichsten Rechte verletzt?
Wir als Dresdner Ortsverband haben die Befragung zudem um die Zielgruppe der Erwachsenen erweitert und Eltern, Erzieher, Pädagogen befragt. Hierbei war es uns auch wichtig, die Perspektive der Erwachsenen zu den Themen „familienfreundliche Stadt“ und „kinderfreundliche Kita/ Schule“ einzuholen.
Die Ergebnisse unserer Befragung, die wir pünktlich zum Tag der Unterzeichnung der Kinderrechte am 20.11.2009 im Jugendhilfeausschuss vorstellten, finden Sie als Präsentation hier.
Nachdem wir uns im Vorjahr aufgrund sinkender Nachfrage von unserem Angebot der „Tagesgruppe“ verabschieden mussten, konnten wir in 2009 und auch darüber hinaus alle unsere Angebote halten, wenngleich die Stabilität aufgrund von Kürzungen eingeschränkt war. Improvisieren und ausgleichen war sehr gefragt und zahlreiche Verhandlungen, Ideenrunden und die beständige Suche nach Lösungen bestimmten einen Großteil unserer Zeit. Rückblickend lässt sich verzeichnen, dass wir alle Projekte und Einrichtungen gut durchs Jahr gebracht haben. Mehrfach im Jahr finden innerhalb unseres Trägers Qualitätsfachtage statt, die einmal mehr auch 2009 bewiesen haben – an der Qualität unserer Arbeit werden wir nicht sparen. Hier arbeiten alle Kollegen beständig an der Weiterentwicklung und Sicherung von Qualitätszielen und Standards ihrer Arbeit.
Dennoch werden auch wir auf aktuelle Kürzungen reagieren müssen und Angebotszeiten bzw. die Angebotsvielfalt einschränken.
Jahresrückblick – bei den Kleinsten geht es los
Mit neuem Wissen und vielen Gelegenheiten zum Austausch mit Kollegen der eigenen oder einer anderen Einrichtung unseres Ortsverbandes haben im Jahr 2009 die letzten Kitas das Curriculum zum „Sächsischen Bildungsplan“ abgeschlossen. An zahlreichen langen Samstagen haben sich unsere Mitarbeiter mit den Bildungsbereichen im Kern auseinander gesetzt und stehen nun vor der Aufgabe, dies in die tägliche Arbeit mit den Kindern einzubinden.
Die bisher erfolglosen Bemühungen die Politik zu einem Umdenken in der Festsetzung der Schlüsselzahlen zu bewegen, stehen dieser Aufgabe als echte Herausforderung gegenüber. Für weitere Informationen und stattgefundene bzw. zukünftig laufende Aktionen verweisen wir auf die Kampagne „Weil Kinder Zeit brauchen“. Aktuelle Informationen finden Sie unter: www.weil-kinder-zeit-brauchen.de
Unser Kinderhaus Regenbogen feiert und feiert und feiert. Natürlich begleiten, fördern und fordern sie auch täglich ihre Kinder mit und ohne heilpädagogischen Betreuungsbedarf. Aber der 20. Geburtstag des Hauses in der Neustadt steht an und mit 20 kleineren und größeren Festen tasten sich die Kinder, Familien und Erzieher des Regenbogens auf den großen Geburtstag am 30.4.2010 vor. Interessierte und Neugierige sind gern gesehen. Informationen zu unserem Kinderhaus Regenbogen finden Sie hier.
Die Zeiten als kleinstes Haus in unserem Träger sind für unsere Kita Naseweis seit 2009 nun auch vorbei. Waren es bislang 50 Kinder ab dem 3 Monat, die im historischen Flachbau täglich betreut wurden, sind es nun fast 100 Kinder geworden. Möglich gemacht hat es eine sog. mobile Raumeinheit. Innerhalb kürzester Zeit standen damit auf dem erweiterten Außengelände zusätzliche neue funktionale Räume, die viel Platz und neue Möglichkeiten boten. Ebenso innerhalb kürzester Zeit benötigten die Einrichtung und die vielen neuen Kinder, die auf Aufnahme warteten entsprechend qualifiziertes Personal. Ein Bewerbungsmarathon folgte, der auch in 2010 noch nicht vollständig abgeschlossen ist. Aktuelle Stellenausschreibungen finden Sie hier.
Unsere Kita Pünktchen verbrachte das vergangene Jahr manchmal mit „Warten“ und gleichzeitig auch mit „Nicht-Warten-Wollen“. Einerseits liefen die Pläne und Verhandlungen für die bevorstehende Sanierung schleppend voran, so dass ein Waten auf den Umzug ständiger Begleiter war bei Überlegungen zu hausinternen Investitionen und Verbesserungsmaßnahmen. Andererseits war die Energie für die Umsetzung des Gartenausbaus nicht zu bremsen. So konnte gemeinsam mit tatkräftiger Hilfe der Garten für die 3-6 Jährigen in Teilen neu geplant und auch bautechnisch umgesetzt werden. Einen Eindruck über einen der wohl schönsten Gärten in Johannstadt bekommen Sie vor Ort in der Dürerstraße 50. Informationen zu unserer Einrichtung mit dem, wir wiederholen uns gern, wohl schönstem Garten der Johannstadt finden Sie hier.
Ein Sächsischer Bildungsplan für Kinder aus aller Welt. Die Kinder unserer Schmetterlings-Gruppe erleben jeden Tag aufregende und spannende Geschichten und dazu noch die deutsche Sprache. Seit nun schon über einem Jahr betreuen wir bei den Schmetterlingen Kleinstkinder mit Migrationsgeschichte, deren Eltern einen Sprachkurs absolvieren. Abenteuerlich könnte es in einer so kleinen Gruppe gar nicht zugehen, wenn die gemeinsame Sprache der Verständigung eine ist, die alle Beteiligten erst miteinander erlernen müssen. Und selbst mit der Einigung über das gemeinsam gemeinte Wort ist es noch nicht getan. Denn die Frage „Was will sie mir damit sagen?“ ist oft der Anfang einer sich zu entwickelnden guten und stabilen Beziehung zwischen Eltern und Erzieherin. So lernen sich Eltern und Erzieherin mit und durch die Kinder ganz intensiv und lebendig kennen. Da Erziehung und Familienmanagement in einem neuen Land mit noch fremder Sprache und unbekannten Normen und Werten eine große Herausforderung ist, suchen wir ehrenamtliche Familienpaten, die bereit sind, eine dieser jungen Familien regelmäßig ein Stück in ihrem Alltag zu begleiten. Den Kontakt zum Projekt Schmetterlinge finden Sie hier.
Das größte unserer Häuser ist auch in 2009 noch gewachsen – an Personal, an Ideen und Aufgaben. Auch die Kollegen im Sonnenblumenhaus haben erfolgreich das Curriculum zum Sächsischen Bildungsplan absolviert und abgeschlossen. Nun heißt es, umsetzen und leben, was dort auf Papier geschrieben ist. Die Kinder stehen dabei immer Vordergrund – sie sollen eine liebevolle Betreuung erleben und spüren, dass wir sie wichtig nehmen in allem, was wir tun. Auf der Basis einer medizinischen Untersuchung der 4jährigen wurden besondere Förderbedarfe festgestellt, die eine konzeptionelle Umgestaltung der Einrichtung notwendig machten. Durch die zusätzliche Einstellung von heilpädagogischen Fachkräften ist ein erster Schritt getan – weitere werden folgen hin zu einer Einrichtung für Kinder mit besonderem Förderbedarf.
Immer wieder beachtlich sind die interkulturellen Kompetenzen der Erzieher vor Ort. Bei 20 verschiedenen Nationen und dem Vorherrschen aller gängigen Weltreligionen ist das Einlassen auf ständig neue Begegnungen Grundvoraussetzung, um gemeinsam mit Eltern und Kindern in einen partnerschaftlichen Dialog zu treten. Fortgesetzt wird diese Arbeit im Hort der Einrichtung, in dem noch einmal um die 150 Kinder der benachbarten Grundschule täglich betreut werden.Weitere Informationen finden Sie hier.
Unweit der Kita Naseweis an der Südgrenze der Stadt Dresden liegt die Kita Pfiffikus. Das Jahr 2009 war für die Mitarbeiterinnen ein besondere Herausforderung: Über die sachsenweit beklagte Betreuungsschlüsselsituation hinaus, musste der krankheitsbedingte Ausfall der Leiterin kompensiert werden. Mit großer Einsatzbereitschaft konnte das gewohnte kreative Alltagsleben in der Kita für Kinder und Eltern aufrechterhalten werden. Pädagogisch wurde sich nicht nur über den Abschluss des gemeinsam absolvierten Curriculums weiterentwickelt, sondern auch die entwicklungsbezogene Altersmischung in den Kindergruppen und eine neue Vorschulkonzeption in Angriff genommen.
Zusammen mit dem neu gewählten Elternrat soll das Jahr 2010 weitere konzeptionelle Neuausrichtungen mit sich bringen. Weitere Informationen und Bilder zur Einrichtung finden Sie hier.
Aus dem gröbsten raus – die Kinder und Jugendlichen in den offenen Angeboten
Mächtig was geschafft wurde in unserem Jugendhaus in 2009. Das schwere und etwas unbequeme Erbe des einstigen Jugendhauses haben die Kollegen seit der Übernahme in unsere Trägerschaft tatkräftig geschultert und mittlerweile auch das Ablegen gemeistert. Unser Jugendhaus setzte und setzt vor allem auf das Prinzip der Partizipation. Sich einbringen, bedeutet seine Stärken zu erkennen und einzusetzen. Und es bedeutet auch, etwas zu verändern und bei Veränderungen dabei gewesen zu sein. Gerade für Jugendliche, die in ihrer Bildungslaufbahn mit Brüchen und Hindernissen zu kämpfen haben, ist die Eule ein Ort geworden, in denen der Jugendliche zählt und nicht der Schulabschluss. Einbringen kann sich jeder – er muss nur wollen. Das das einige Jugendliche wollten in 2009 kann man dem Haus und seiner Vielzahl an Aktionen und Veranstaltungen ansehen. Mehr davon gibt es hier.
Schon mal auf einer Slackline balanciert? Die Kinder auf dem Abenteuerspielplatz haben sich diese Herausforderung gewünscht und können seit 2009 ihren Gleichgewichtssinn damit auf die Probe stellen. Und kein Platz für ein eigenes Haustier? Auch kein Problem. Auf dem Abenteuerspielplatz gibt es unsere 4 Kaninchen. Neben der Katze in unserer Wohngruppe weitere tierische Mitarbeiter bei uns im Kinderschutzbund. Direkt neben dem, man kann es nicht oft genug sagen, schönsten Garten der Johannstadt in der Kita Pünktchen, befindet sich der wohl schönste Abenteuerspielplatz weit und breit. Hier ist richtig viel Platz für Kinder und Familien. Und im vergangenen Jahr wurde durch die gemeinsame Abstimmung und Planung mit den Kindern der Platz noch um eine Rutsche und eine Klettermöglichkeit reicher. Was es sonst noch gibt auf dem Abenteuerspielplatz sehen Sie hier. Besser ist aber – direkt hingehen.
Die wohl größte Veränderung gab es für uns in Großröhrsdorf. Seit etlichen Jahren betreiben wir in Großröhrsdorf ein Kinder- und Jugendhaus – mitten im Ort, gemeinsam in einem ehemaligen Industriebau der Bandweberei. Recht idyllisch könnte man es nennen. Im vergangenen Jahr haben wir einen kompletten Personalwechsel realisieren müssen, der uns mit zwei jungen dynamischen und frischen Absolventen gut gelungen ist. Kaum eingearbeitet kam der Ruf aus der Verwaltung, sich nicht nur verstärkt sondern ausschließlich den Jugendlichen im Ort zu widmen. Aus dem Kinder- und Jugendhaus sollte ein Jugendhaus werden. Das dies nicht so einfach wie ein Kleiderwechsel werden würde, war uns klar. Stetig und schrittweise durchdacht, haben wir den Übergang geschafft. Durch die Kreisgebietsreform gab es zusätzlich verschiedentlich Wechsel – sowohl in den Ansprechpartnern, der lokalen Ansiedelung von Zuständigkeiten und leider auch in der Prioritätensetzung Haushaltsmitteln. Auch hier sind die Kürzungen angekommen – schon früher, als wir es in Dresden zu spüren bekamen. Wir wünschen uns eine positive Zukunft für die Jugendarbeit dort auf dem Lande, aber sicher ist sie noch nicht. Informationen zu unserem „Landprojekt“ finden Sie hier.
Neuheit: Supergesunde Gerüchteküche mit einer Prise Konflikte. Ein bisschen Kinderrechte schmeckt man auch. So lautet die nachträglich gesetzte Überschrift des Team JoJo, die sie dem Jahr 2009 und der Arbeit im Kindertreff geben würde.
Die „gesunde Lebensweise“ stand ganz oben auf der Liste, der zu erreichenden Ziel für das vergangene Jahr. So breit gefächert, wie die Assoziationen zu diesem Thema sein können, so waren auch die Angebote und Ideen im Projekt angelegt. Und da Kinder nicht allein für ihre gesunde Lebensweise zuständig sind, beginnt es mit dem regelmäßigen gesunden Frühstück für Eltern in den Räumen des ehemaligen Stadtteiltreff, die nun Verwaltungs- und Beratungsräume für den Kindertreff geworden sind.
Und da Bewegung an der frischen Luft und das Spielen im Team sowohl Körper und Geist gut tun, als auch dem Leben in einer Gemeinschaft dienlich sind, ist JoJo auf den Spielplätzen im Stadtteil unterwegs und bewegte sich vor allem im Winter ausdauernd beim Sportnachmittag in der Turnhalle. Leider müssen wir an dieser Stelle auch für da JoJo ein trauriges Kapitel im Jahr 2009 eröffnen, da die kostenfreie Nutzung der Turnhalle seit diesem Jahr für das JoJo nicht mehr möglich ist. Eine reguläre Anmietung der Halle, entsprechend den Konditionen für Sportvereine, sieht die Budgetierung des Projektes nicht vor, da keine Einnahmen zu verzeichnen sind. Wer Ideen hat, wo und wie das JoJo vor allem in den kalten Jahreszeiten Sport treiben kann, kann sich gern an die Kollegen vor Ort wenden. Kontakt.
Aus wenigem mache mehr – könnte das Motto im Kinder- und Jugendhaus Mareicke gelautet haben für das Jahr 2009. Drastische Mittelkürzungen haben uns hier zu einem deutlichen Umdenken aufgerufen. Um die fachliche Arbeit nicht an gekürzten Mitteln scheitern zu lassen, mussten wir neue Wege suchen, um die Umsetzung unserer Ziele zu realisieren. Durch Nothilfe-Mittel aus dem Bundesverband und die Aktion Mensch konnten wir vorübergehend Finanzlöcher stopfen, um die Betriebsamkeit der Kollegen vor Ort nicht ausbremsen zu müssen. Langfristig werden wir nachhaltige Zusatzfinanzierungen akquirieren müssen.
Im Jahr 2009 ist es weitgehend gelungen, die Kinder und Jugendlichen nichts von den Sparmaßnahmen spüren zu lassen. Den Kollegen ist es gelungen, mit Geschick und Kreativität den gewohnten Alltag im Kinder- und Jugendhaus unverändert zu bewerkstelligen. Zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen sind Beweis dafür.
Besonders wertvoll ist die Wiederbelebung eines regelmäßigen gesunden Imbissangebotes für die Kinder geworden, welches wir dank einer Hilfskraft den Kindern kostenfrei zur Verfügung stellen können. Denn nur Kinder ohne Hunger, können beim Spielen richtig viel Spaß haben und dabei auch noch vieles entdecken und lernen. Und was es in diesem großen Haus und einem ebenso wunderbaren Garten (diesmal wiederholen wir uns nicht, weil dieser schöne Garten in Reick steht) überhaupt zu entdecken gibt, sehen Sie hier.
Erziehungsarbeit ist kein Kinderspiel
Wie sollte es auch anders sein in der Beratungsstelle in Pieschen BiP: Den größten Raum nahm das Thema der Erziehung ein. Erziehung ist nicht nur bei den „klassischen“ Erziehungsberatungen ein Thema, sondern auch ein wichtiger Faktor in der Beratung mit strittigen Eltern und in anderen Problemlagen sowie im Elternkurs „Starke Eltern – Starke Kinder“. Das Thema Toleranz war insbesondere bei Beratungen mit getrennten Eltern wichtig, die erfahren mussten, dass der andere Elternteil anders mit dem gemeinsamen Kind umgeht und auch teilweise andere Lebensziele verfolgt. In diesen Beratungen war es ebenfalls ein Thema, Frieden mit sich, der Situation und bestenfalls dem anderen Elternteil zu finden. Auch der Bereich der Gesundheit nahm Raum ein in unserer Arbeit. Vorrangig ging es dabei um die psychische Gesundheit von KlientInnen oder deren Angehörigen.
Die vorrangig aus dem unmittelbaren Sozialraum der Beratungsstelle Dresden-Pieschen kommenden Familien in Zahlen:
Ungefähr 75% der Klienten sind geschieden bzw. leben getrennt vom anderen Elternteil des betreffenden Kindes. Bei ca.38% dieser Klientengruppe ist die Trennung auch der Anlass zur Beratung. 4% der Kinder lebt zu zeitlich gleichen Anteilen bei Mutter und Vater. Lebt das Kind bei einem alleinerziehenden Elternteil, so ist dies in über 90% der Fälle die Mutter. Die „klassische“ Kernfamilie macht 22% der zu beratenden Familien aus. Bei 11,9% der Klienten kommt mindestens ein Elternteil aus dem Ausland, die im Haushalt gesprochene Sprache ist jedoch bei mindestens 96% deutsch. Die Mehrheit der Familien (63%) finanziert sich aus eigener Erwerbstätigkeit. 23% der Familien leben von Hartz IV oder Sozialhilfe. 8% unserer Nutzer befanden sich in einer schwierigen Familiensituation und 17% litten unter einer Beziehungsstörung zwischen Eltern und Kind. 7% der jungen Menschen befanden sich in einer Situation, in der ihr Sozialverhalten als auffällig gewertet wurde. In 8% der Familien zeigten sich Entwicklungsauffälligkeiten der Kinder und in 6% der Fälle gab es schulische oder berufliche Probleme der jungen Menschen.
Am Ende des Berichtsjahres zeichnete sich ab, dass perspektivisch durch die FGG-Reform Veränderungen im Bereich der Beratung mit strittigen Eltern anstehen. In diesem Rahmen ist zu überprüfen, wie viele dieser Beratungen parallel in der Beratungsstelle stattfinden können und was zu tun ist, wenn diese Kapazität überschritten wird. Ebenfalls ist zu bedenken, ob eine Teilnahme von Beratern in der Gerichtsverhandlung notwendig wird. Sollten diesbezüglich Veränderungen notwendig werden, so müssen diese auch konzeptionell verankert werden. Kontakt zur Beratungsstelle finden Sie hier.
Dreimal der Buchstabe B ist im Kinderschutzbund mit dem Projekt „B3 - Mobile Hilfen“ verbunden. Im vergangenen Jahr wurden in verschiedenen Hilfekontexten die drei Projektsäulen Beraten – Betreuen – Bilden praktisch und konzeptionell ausgebaut und tiefer verankert. Eine Vielzahl von Aufgaben und Zielen sind in der ambulanten sozialpädägogischen Begleitung von Familien und jungen Erwachsenen an das Projekt herangetragen und mit unterschiedlichen Erfolgen verbunden.
Im Rahmen von Hilfen zur Erziehung:
Sicherung des Kindeswohls, Familienerhalt, Sicherung der Lebensgrundlagen und Erhöhung der Lebenskompetenz der Klienten, Erweiterung der Erziehungskompetenzen von Eltern
Im sozialen Trainingskurs mit straffälligen Jugendlichen:
Erhöhen sozialer Kompetenz, Aggressionskontrolle, Entwicklung von Zukunftsperspektiven, Erarbeiten von Konfliktlösungskompetenz, erfüllen richterlicher Auflagen, Auseinandersetzung mit der Straftat
Betreuungsweisung/Entlassungsbegleitung:
Begleitung bei der Entwicklung von Zukunftsperspektiven, Sicherung der Lebensgrundlagen der Klienten, Erhöhung der Lebenskompetenz der Klienten, Erfüllung der richterlichen Auflagen, Auseinandersetzung mit der Straftat, erhöhen sozialer Kompetenz
Aus diesen Schlagwörtern lassen sich die Lebenslagen der Menschen, in denen sich unsere Fachkräfte bewegten, bereits erahnen: Hauptsächlich ALG II Empfänger, aber auch Berufstätige und Akademiker; teilweise Alleinerziehend, zunehmend Mißbrauchsproblematik ( 40% der Fälle), gleichbleibende Fälle von psychischer Auffälligkeit (v.a. Borderline auch Angststörung & Depression, Messieverhalten); Jugendliche mit delinquentem Verhalten, v.a. in Überbetrieblicher Ausbildung oder Berufsbildenden Maßnahmen (BVJ, BBJ u.ä.).
Diesen Menschen eine Unterstützung anzubieten erforderte auch im vergangenen Jahr ein hohes Maß an Flexibilität und Mobilität – zentraler Leitsätze in der Arbeit des Projektes B3 - Mobile Hilfen.
Wenn es in Familien nicht (mehr) zusammen geht, finden in der familienorientierten Wohngruppe „Trampolin“ Kinder und Eltern zu einer Auszeit in ihrer Beziehungssituation. Wie es wieder zusammen geht, steht im Mittelpunkt der Arbeit dieser stationären Hilfemaßnahme.
Das Alter der zu Betreuenden lag 2009 zwischen 14-18 Jahren. Dabei überwog die Anzahl der Mädchen. Die psychischen Belastungen der jungen Menschen und/oder ihrer Sorgeberechtigten waren noch höher als nach den bisherigen Erfahrungen. Der therapeutische Bedarf stieg entsprechend. Kenntnisse psychischer Erkrankungen und über den Umgang mit psychisch kranken Menschen wurden zwingend notwendig. Es kam verstärkt zur Arbeit mit mehrfach stark belasteten Familiensystemen. Die Überforderung der Sorgeberechtigten durch Scheidungs- und Trennungsprobleme, eigene psychische Erkrankungen (z.B. Borderline-Diagnosen und Alkoholabhängigkeit), Langzeitarbeitslosigkeit, Alleinerziehendensituation, Vollwaisen, Mißbrauchsverdacht in Herkunftsfamilie sind häufige Merkmale in den Familien.
Neben dem (Wieder-)Herstellen von Verlässlichkeit durch einen geregelten Alltag für die Kinder mit wiederkehrenden Ritualen ist die Stärkung innerfamiliärer Beziehungen ein Kern in Einzelgesprächen; Eltern- und Familiengesprächen und der Elterngruppe. Obwohl das Alter der Kinder (Jugendlichen) häufig die Vorbereitung einer eigen- und selbständigen Lebensführung vorgibt, sind die Bezüge zu ihren Herkunftsfamilien ein zu sicherndes Fundament für ihre weitere Entwicklung.
Unter diesen Maximen konnte das Team den Familien in dieser besonderen Zeit eine stabilisierende Hilfe sein.
Mehr zum Projekt „Trampolin“ lesen und sehen Sie hier.
Das Elterntelefon und das Kinder- und Jugendtelefon sind Gesprächs- und Beratungsangebote.
Die eine Leitung ist für Eltern, Erziehende und an der Erziehung von Kindern interessierte Menschen offen. Die andere für Kinder und Jugendliche aller Altersstufen. Sie sind leicht erreichbar und garantieren den Anrufenden absolute Anonymität und Verschwiegenheit.
Beide Telefone wollen ein erster Ansprechpartner sein für die vielfältigen Fragen, Probleme und Ängste der Anrufenden. Ausgebildete BeraterInnen haben dafür ein offenes Ohr.
Auf die verschiedenen Themenbereiche wie z.B. Fragen zur Erziehung, Konflikte in der Partnerschaft oder Gewalt in der Familie sind die ehrenamtlichen BeraterInnen umfassend vorbereitet worden. Darüber hinaus sind sie umfangreich über weiterführende Unterstützungsmöglichkeiten informiert.
Kinder und Jugendliche fanden am KJT Anregung und Unterstützung, um Situationen, Probleme, Entwicklungsaufgaben zu reflektieren um sie dann besser zu bewältigen zu können. Kinder und Jugendliche, welche am KJT anrufen, haben nach wie vor Fragen zu Ihrer persönlichen Entwicklung, zu Partnerschaft, Liebe, Konflikten in der Schule und in der Peergroup.
Eltern und an der Erziehung von Kindern und Jugendlichen Beteiligte, welche am Elterntelefon anrufen, haben Fragen zur Erziehung von Kindern, zum Umgang nach Trennung und Scheidung, sowie Informationsfragen zu Behörden, aber vor allem das Bedürfnis sich emotional zu entlasten.
Die Anruferzahlen entwickelten sich unterschiedlich:
Im Jahr 2009 waren es am Elterntelefon insgesamt 677 Gespräche und davon 1/3 intensive Beratungen. Zum Vergleich: Im Jahr 2008 wurden 1.104 Gespräche geführt, davon waren 319 intensive Beratungsgespräche. Am Kinder- und Jugendtelefon wurden hingegen insgesamt 5406 (100%) Gespräche, davon ca. 25% Beratungen geführt. Im Vorjahr wurden 5.317 Gespräche geführt , davon waren 1.432 intensive Beratungsgespräche.
Um auf die verschiedenen Anliegen der Anrufenden am KJT und ET eingehen zu können benötigen die ehrenamtlichen BeraterInnen eine intensive Ausbildung und darauf aufbauende und fortführende Schulungen. So wurden die Ehrenamtlichen in Methoden der Gesprächsführung geschult und zu neuen Erkenntnissen, welche die Zielgruppen betreffen, umfangreich informiert.
Das ehrenamtlich durchgeführte Projekt ist in jedem Jahr von der Einsatzbereitschaft der Beraterinnen und Berater getragen. Für die langfristige Erfüllung benötigt dieses Projekt stets weitere engagierte Ehrenamtliche, die nach dem Durchlaufen einer Beratungsausbildung für Kinder, Jugendliche oder Eltern ein offenes Ohr am Telefon haben. Für detailliertere Informationen lesen Sie hier.
Das Jahr im Rückblick, aus der Perspektive des Vorstandes und der Geschäftsstelle, war geprägt von einem hohen Maß an Engagement, Kreativität und fachlich hoher Verantwortung jedes einzelnen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiters, sowie einem wachsenden übergreifenden Zusammenspiel aller Projekte untereinander und miteinander. Durch die enge Vernetzung vereinsintern und vereinsübergreifend konnten gute Synergieeffekte unserer Arbeit erzielt werden, die sich auch in einer ausgesprochen guten Zusammenarbeit mit dem Jugendamt Dresden, dem Kinder- und Jugendärztlichen Dienst und anderer Einrichtungen und Dienste bemerkbar machten. Eine besondere Herausforderung war dabei die Organisation und Durchführung des Fachtages zum § 8a in Kooperation mit der AJS. Dieser Fachtag fand im Hygienemuseum Dresden statt und wurde für Mitarbeiterinnen der Bereiche Kindertagesstätte, Erzieherische Hilfen, Offene Kinder- und Jugendarbeit und der Kinder- und Jugenderholung angeboten. Die Inhalte des Fachtages waren sehr praxisorientiert und sollten den Mitarbeitern Handlungssicherheit im Umgang mit Kindeswohlgefährdungen geben. Anhand der Evaluationsbögen kann das Ergebnis des Fachtages als sehr gut und als Grundstein für einen noch auszubauenden zukünftigen Weiterbildungsbaustein unseres Ortsverbandes betrachtet werden. Die Dokumentation des Fachtages finden Sie hier.
Wir sind stolz darauf, dass unser Weitergewährungsantrag für das Gütesiegel BLAUER ELEFANT vom Bundesverband positiv beschieden wurde, so das wir für die nächsten drei Jahre dieses Gütesiegel als Qualitätsmarkenzeichen des OV Dresden führen dürfen. Dafür an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an alle Mitstreiter des Dresdner Kinderschutzbundes!
Die Vorstandsarbeit war auch in diesem Jahr gekennzeichnet von einer hohen Zuverlässigkeit und Kontinuität. In den monatlichen Vorstandssitzungen waren Themen wie 20 Jahre Kinderrechte, Personalentscheidungen, Fort- und Weiterbildung der Mitarbeiter, Qualitätsentwicklung in den Projekten und die finanzielle Sicherheit des Gesamtvereins ständige Begleiter. In einer konstruktiven und wertschätzenden Zusammenarbeit zwischen Vorstand, Geschäftsführung und Betriebsrat wurde so das Schiff Kinderschutzbund sicher durch stürmische und ruhige Gewässer des Jahres 2009 gesteuert.
Wir wünschen uns und unseren MitarbeiterInnen und Kooperationspartnern für 2010 eine verlässliche und erfolgreiche Arbeit, verbunden mit dem Wunsch das wir als Kinderschutzbund Ortsverband Dresden e.V. als Partner für Kinder und Eltern wahrgenommen werden, der sich für deren Rechte und Bedürfnisse stark macht und in einem konstruktiven Dialog mit dem öffentlichen Träger ein der gemeinsamen Zielerreichung zum Wohle der Dresdner Familien arbeitet.
Heike Heubner-Christa
Geschäftsführerin
April 2010


