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Resolution der Bundesmitgliederversammlung des Kinderschutzbundes 2026

Die Bundesmitgliederversammlung des Kinderschutzbundes hat am 09.05.2026 beschlossen:

Vor dem Hintergrund der vielfältigen Pläne, die Haushalte zu Lasten von Kindern und Jugendlichen zu sanieren, unterstützt der Kinderschutzbund nachdrücklich den Offenen Brief „Zum politischen Umgang mit existentiellen Bedarfen junger Menschen“ unserer Präsidentin Prof. Dr. Sabine Andresen gemeinsam mit Prof. Dr. Karin Böllert und Prof. Dr. Wolfgang Schröer an das Bundeskanzleramt und beschließt diese Resolution:

Kinder und Jugendliche sind keine Streichposten

Die jüngst bekannt gewordenen Vorschläge zur Änderung rechtlicher Grundlagen der Kinder- und Jugendhilfe und die Streichliste aus dem Bundeskanzleramt stellen das gute Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen infrage. Was derzeit unter dem Druck angespannter Haushalte vorbereitet wird, ist ein verdeckter Abbau von Kinderrechten. Kinder und Jugendliche werden zum Konsolidierungsinstrument öffentlicher Finanzen gemacht. Das ist politisch falsch und sozial ungerecht.

Wenn die Solidarität mit den Jüngsten unserer Gesellschaft aufgekündigt wird, raubt ihnen das Entwicklungsmöglichkeiten, Teilhabe und Chancen. Schutz- und Unterstützungsbedürftige werden aus einem mühsam über Jahre errichteten Hilfesystem ausgeschlossen.

Der Kinderschutzbund lehnt Teile der Änderungsvorschläge zum SGB VIII als Angriff auf das gute Aufwachsen für alle Kinder und Jugendlichen ab und fordert:

Keine Schwächung individueller Rechtsansprüche. Kinder, Jugendliche und ihre Familien müssen weiterhin verlässliche, einklagbare und am Einzelfall orientierte Hilfen erhalten. Dazu gehören auch die Stärkung der Hilfeplanung, von Beteiligung und notwendigen Interventionen.

Kinderschutz vor Sparlogik stellen. Der Schutz von Kindern vor Gewalt und Vernachlässigung muss bei allen politischen Vorhaben Vorrang haben. Der Gesetzentwurf birgt die Gefahr, dass betroffene Kinder keine oder viel zu spät Hilfe bekommen.

Die Verantwortungsgemeinschaft von Jugendämtern und freien Trägern auskömmlich ausstatten. Wir brauchen ausreichend qualifiziertes Personal, gute Arbeitsbedingungen, verlässliche Strukturen und fachliche Standards, die nicht unter Kostendruck abgesenkt werden.

Inklusion verlässlich und konsequent umsetzen. Junge Menschen mit Behinderungen und ihre Familien brauchen bundesweit einheitliche Zuständigkeiten, individuelle Unterstützung und fachlich qualifizierte Angebote.

Der Kinderschutzbund fordert die Bundesregierung deshalb auf, das Gesetzesvorhaben grundlegend zu überarbeiten und diesen kinder- und jugendpolitischen Rückschritt zu unterlassen. Dazu gehört auch eine grundlegende Überarbeitung der Finanzarchitektur zwischen Bund, Ländern und Kommunen.

Die Streichliste aus dem Bundeskanzleramt weisen wir zurück und fordern insbesondere:

Kinderarmut bekämpfen statt verschärfen. Rückschritte beim Unterhaltsvorschuss oder anderen Leistungen für armutsbetroffene Kinder und Familien lehnen wir ab.

Careleaver*innen unterstützen. Junge Menschen, die in Einrichtungen oder Pflegefamilien aufgewachsen sind, brauchen auch nach dem Ende der Hilfe verlässliche Begleitung, damit Teilhabe gelingt.

Unbegleitete minderjährige Geflüchtete schützen. Sie haben die gleichen Rechte wie alle anderen Kinder und Jugendlichen und dürfen nicht aus der Kinder- und Jugendhilfe gedrängt werden.

Handlungsfähigkeit der Kommunen wieder herstellen. Die Kostensteigerungen in der Kinder- und Jugendhilfe haben vielfältige Ursachen und sind nicht Ausdruck eines aus dem Ruder gelaufenen Hilfesystems. Die finanziellen Belastungen müssen fair verteilt werden, ohne Rechtsansprüche junger Menschen einzuschränken.

Wer die Solidarität mit Kindern und Jugendlichen aufkündigt, gefährdet ihr gutes Aufwachsen und unsere demokratische Gesellschaft.

Im Saal der Kinderschutzbund Bundesmitgliederversammlung 2026 sind Teilnehmende und Podium zu sehen, mit Hinweisen zu Prof. Dr. Sabine Andresen.
Im Tagungssaal der Bundesmitgliederversammlung des Kinderschutzbundes standen Resolution und Vorträge im Mittelpunkt, u. a. mit Prof. Dr. Sabine Andresen.